Musikland Tirol

7. Das erste katholische Gesangbuch erscheint in Tirol

In der Privatdruckerei des reichen Schwazer Gewerken Georg Stöckl erschien 1524 das erste katholische Gesangbuch Hymnarius durch das ganze Jahr verteutscht ... . Das Liederbuch enthält 131 Hymnen auf die verschiedenen Festzeiten des Kirchenjahrs. Jedem Hymnus sind in vier Reihen vierzeilige Notenlinien mit unterdrucktem Text - jedoch ohne Noten - vorangestellt. Detaillierte Hinweise auf die jeweiligen Melodien zu den einzelnen Psalmen finden sich jedoch im Register am Ende des Bandes. Initiator des Gesangsbuchs und Übersetzer der lateinischen Hymnen war mit größter Wahrscheinlichkeit der in Schwaz als Lateinschulmeister angestellte Peter Treibenreiff. Treibenreiff stammte aus Südtirol, wo sein eigentümlicher Name besonders im Eisacktal geläufig ist. Als Magister der freien Künste nannte er sich nach Humanistentradition Tritonius und gehört zum engsten Freundeskreis um den berühmten Dichter und Humanisten Conrad Celtis. Um die Zeit der Entstehung des Hymnarius kam es in Schwaz auch zur Gründung der ersten Meistersingerschule Österreichs. Der herrlich mit Fresken ausgemalte Meistersingersaal im alten Gerichtshaus von Schwaz ist allerdings 1944 weitgehend zerstört worden.

Hymnarius: durch das gantz Jar verdeutscht,
nach gewöndlicher Weyß und Art zu syngen,
so yedlicher Hymnus gemacht ist

gedruckt von Josef Piernsieder,
in Verlegung des Gewerken Georg Stöckl,
Schloß Siegmundslust bei Schwaz, 1524

Hymnarius: durch das gantz Jar verdeutscht,
nach gewöndlicher Weyß und Art zu syngen,
so yedlicher Hymnus gemacht ist

(Hymnbook in German
for the entire Church year
to be sung in the usual way)
printed by Josef Piernsieder,
published by Georg Stöckl,
Sigmundslust Castle near Schwaz, 1524

7. The First Catholic Hymnbook Published in the Tyrol

The first Catholic hymnbook Hymnarius durch das ganze Jahr verteutscht ... was published by the wealthy mining manager Georg Stöckl of Schwaz, who had it printed in his private press in 1524. The songbook contains 131 hymns for the different feast days in the Church year. Each hymn is preceded by four rows of staffs with four stave lines each - but without notes - with the text printed below. However, detailed instructions for the respective melodies to the individual psalms can be found in the index at the end of the book. The initiator of the hymnbook and translator of the Latin hymns was most probably Peter Treibenreif, who was employed as a Latin schoolmaster in Schwaz. Treibenreif came from South Tyrol, where his unusual name is especially common in the Eisacktal. As a Master of the Liberal Arts, he called himself Tritonius according to humanist tradition and belonged to the inner circle of friends around the famous poet and humanist Conrad Celtis. Around the time the Hymnarius was being produced, Schwaz was also the scene of the foundation of the first mastersingers' school in Austria. The mastersingers' hall decorated with splendid frescoes in the old court house of Schwaz, however, was largely destroyed in 1944.