Musikland Tirol

Neujahranschelln in Kortsch im Vinschgau, um 1965; Ringing in the New Year (Neujahranschelln) in Kortsch in the Vinschgau, about 1965

19. Musik und Tanz der Masken

Die Tiroler Volkskultur ist geprägt von einem reich differenzierten Brauchtum. Musik und prämusikalische Phänomene wie rythmisches Lärmen mit Schallgeräten, mit Glocken, Schellen, Rollen, Ratschen, Peitschen u.a., spielen eine fundamentale Rolle im Jahresbrauchtum. Spezielle Formen der Durchführung sind, obzwar intentional verwandt, zumeist an bestimmte Regionen gebunden. Dies trifft auch auf Ansingebräuche zu, wo kleine, oft auch verkleidete Gruppen mit ihren Liedern vor oder in die Häuser kommen und dafür zumeist mit Geld belohnt werden. Der bekannte Südtiroler Ansingebrauch, das Klöckln in der Adventszeit, ist heute noch im Sarntal und in Schalders üblich. Seine Nordtiroler Entsprechung ist das Anklöpfeln in vielen Gemeinden des Tiroler Unterlandes. Wie bei den meisten Bräuchen gibt es auch beim Anklöpfeln zahlreiche lokale Ausprägungen. Weitere heute noch aktuelle, aber in vielfacher Form gewandelte Ansingebräuche sind das Pitschile-Singen im Südtiroler Ahrntal und das in Tirol weitverbreitete Sternsingen; das Sternsingen hat die katholische Kirche in ihre Obhut genommen, ein Faktum, das den Wertewandel in diesem Zusammenhang besonders markant erschließt, hat doch gerade die Kirche Bräuche über Jahrhunderte als Feinde des Glaubens und als Hort von Verführungen teilweise geradezu fanatisch verfolgt. Eine Eigentümlichkeit einiger Osttiroler Regionen wie dem Iseltal und den Gemeinden um Lienz ist das Krapfenschnappen, wo um Allerheiligen Gruppen von Kindern in den Dörfern mit ihren Schnappen (Klappergeräte, zumeist in Form von Tierköpfen) herumziehen und um Krapfen betteln. Für das Tiroler Oberland sind vor allem die Fasnachtsbräuche typisch, so die weitum bekannten Großformen der Umzugsbräuche wie das Imster Schemenlaufen, das Telfer Schleicherlaufen, das Blochziachn in Fiss und anderen Orten, oder das Axamer Wampelerreiten. Prämusikalische Formen des Brauchtums haben ihre vielfach urtümliche Gestalt im Südtiroler Vinschgau bewahrt. Bekannt ist das Nikolauswecken in Mals, das Neujahranschelln in Kortsch oder das überaus beeindruckende Klasn in Stilfs am Fuße des Ortlers. Bräuche, wo ebenfalls Glocken und Schellen die akustische Hauptrolle spielen, sind das Grasausläuten im Bezirk Innsbruck-Land und Bezirk Schwaz sowie weiter im Tiroler Unterland das Almarafahrn.


Klöckln in Schalders, 1980, Theresia Zingerle mit vier ihrer Kinder als Klöckler verkleidet. Klöckln, or Advent caroling, in Schalders, 1980, Theresia Zingerle with four of her children dressed up as Klöckler.

19. Music and Dance of the Masks

Tyrolean folk culture is characterized by a great variety of different customs. Music and pre-musical phenomena such as rhythmic noise-making with implements, bells, cowbells (Schellen), sleigh bells or jingle bells (Rollen), rattles, whips, etc. play a fundamental part in annual traditions. Special forms of practicing them, though related in intention, are usually limited to certain regions. This is also true for Ansingebräuche, in which small groups, often dressed up, go from door to door or into people's houses to sing their songs and be rewarded for their efforts, usually with money. The well known South Tyrolean custom of Klöckln in the Advent season is still common in the Sarntal and in Schalders today. Its North Tyrolean analogy is the Anklöpfeln in many communities of the Tyrolean Unterland (western part of the province). As do most customs, Anklöpfeln has numerous local variants. Other forms of Ansingebräuche still practiced but varied in diverse ways are the Pitschile-Singen in the southern Tyrolean Ahrntal and the Sternsingen caroling at Epiphany that is widespread in the Tyrol. Nowadays the Catholic church itself has taken charge of Sternsingen. The fact that it has is an especially striking indication of the change in values, seeing as how the Church had persecuted traditional customs, sometimes practically fanatically, as hotbeds of temptation and enemies of the faith. Unique to a few eastern Tyrolean regions such as the Iseltal and the communities around Lienz is Krapfenschnappen: around All Saints' Day, groups of children go around in the villages with their noise-makers, usually in the form of animals' heads (Schnappen), and beg for doughnuts (Krapfen). Carnival customs are especially typical for the Tyrolean uplands (Oberland) with their well-known big local processions: Imster Schemenlaufen, Telfer Schleicherlaufen, Blochziachn in Fiss and other places, and Axamer Wampelerreiten. Pre-musical forms of customs have preserved their diverse primeval forms in the southern Tyrolean Vinschgau. Nikolauswecken in Mals, Neujahranschelln in Kortsch and the extremely impressive Klasn in Stilfs at the base of the Ortler are among them. Customs in which bells and cow bells (Schellen) play the main acoustical part by ringing to make the grass grow are Grasausläuten in the Innsbruck-Land and Schwaz regions, and the Almarafahrn in the Tyrolean Unterland.